FRANZISKA UHL
Soweit die Dinge des Lebens noch durch sich selbst abstrakt oder bedeutungsvoll sind,
ist der Mensch noch beschränkt und blind.
Erst in dem Augenblick, wo unsere Wünsche und Sehnsüchte an die Stelle der Lebensrealitäten getreten sind,
sind wir zu Meistern geworden.
Marianne Werferin
Im Atelier entstehen Gestalten – gekrümmt, gestreckt, bewegt, ruhig, stolz, demütig.
Diese Baum-Wesen nun bringe ich zurück an den Ort, an dem sie ihr Leben lang gestanden haben, um sie zu ehren und damit sie ihren Platz wieder einnehmen können und uns Menschen erinnern und mahnen an die lebenswichtige Verbindung, die zwischen ihnen und uns besteht.
Radierung
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Radierungen
1995 begann ich, mich intensiv mit der Radierung zu beschäftigen und bemerkte bald, was mich daran so faszinierte und bis heute nicht loslässt: es ist der „Fehler“, der „falsche“, nicht geplante Strich, der beim Zeichnen mit der Stahlnadel oder beim Ätzen einer Aquatinta passiert und der sich nicht rückgängig machen lässt. Man muss auf ihn eingehen, die feste Vorstellung von der Zeichnung wird aufgebrochen und verändert sich, wird dadurch authentischer. Jede Verletzung der Kupferplatte wird im Druck sichtbar und lässt sich nicht wieder wegnehmen. So kommt es nur zu Platten, die gelingen oder die verloren sind, es gibt kein „Dazwischen“, geschönt durch Korrekturen.
Eben darum empfinde ich die Technik der Radierung als so lebensnah, als ganz authentisch zu meinem persönlichen Leben. Wie oft hatte ich eine feste Vorstellung von dem nächsten Schritt auf meinem Weg und wie oft wurde durch ein unerwartetes Ereignis, auf das ich keinen Einfluss hatte, der Schritt in eine andere Richtung gelenkt! Und doch führte mich dieser „veränderte“ Schritt näher zu mir selbst als es der meiner Vorstellung entsprungene hätte tun können.
Dich kenn ich, dich lieb ich,
dich sah ich wachsen, Holz.
Darum, so ich dich anrühre,
antwortest du wie ein geliebter Leib,
du weisest mir,
deine Augen und deine Fasern,
deine Knorren, deine Male,
deine Adern,
die reglosen Flüssen gleichen.
Ich weiß,
was sie singen mit Windes Stimme,
ich lausch der stürmischen Nacht …
Pablo Neruda
o. T., Esche, gebrannt, 2018
„Woher wir kommen“, 2015
„Amazone“, Ahorn, 2015
Arbeit an „Fleur de sel“, Esche, 2020
Man darf nicht zu viel wissen,
ja manchmal muss man
sogar Wissen verlieren,
damit verschiedene Welten
zusammenkommen ...
Franziska Uhl
Farbige Quadrate, Ton in Ton. Jenseits von Routine lotet sie die Spannung zwischen Spontaneität und Kalkül aus. Keine Titel. Seriennummern mit der Jahreszahl. Die Tafeln sind wie ein sanfter Strudel von Mutmaßungen und Spekulationen, in den der Betrachter gezogen wird. In einem Rhythmus von Geist und Energie. Die Freisetzung der Eigenmacht der Farbe, ihrer Wirkenergien fließen als offener Malstrom zusammen zu einem faszinierenden Eigenleben.
„Es gibt nur einen Weg, alles wiederzugeben, alles zu übersetzen: die Farbe.“
Diese Erkenntnis von Paul Cezanne könnte als ein Motto über den Bildern von Franziska Uhl stehen. Die exakt 40 x 40 x 6 Zentimeter großen Holzkästen, von ihr als Malgrund erkoren, verwandelt sie in regelrechte Farbleiber, berstend vor Energie, mit einer Fülle von Tönen, feinsten Nuancierungen und lebendigen Brechungen.
Teil aus einer Rede von Gisela Blank
anläßlich der Ausstellungseröffnung in der „Galerie Ei“
in Berlin im Jahr 2018